ie erste Kerze, die wir am
Adventkranz entzünden, eröffnet den Reigen weihnachtlichen Brauchtums,
das hinführen soll zu stiller Besinnung und weihnachtlicher Freude.
Aus dem ländlichen Raum, aus der bäuerlichen Familie ging das Brauchtum
hervor, das den Jahreskranz mit bunten Blüten durchflocht. Es wurde
bewahrt und weitergegeben durch die Jahrhunderte. Manches wurde von
der Hast und Unruhe unserer Zeit verschüttet, vieles hat in dem veränderten
Leben seinen Sinn verloren. Aber in den Bergtälern unserer obersteirischen
Heimat hat sich manch alter Brauch erhalten, auch Gutes, Neues ist hinzugekommen.
Mag die Umwelt und das Leben auch verändert sein, immer gleich bleibt
der Mensch in seinem Hoffen und Wünschen, seinen Sehnsüchten und Befürchtungen.
er Adventkranz ist wohl erst
in den letzten Jahrzehnten (geschrieben ca. 1960 Anm.d.Admin.) bei uns
heimisch geworden, aber er ist dem Landvolk wie dem Städter gleich lieb
geworden. Im stillen Schein seiner Kerzen findet sich die Familie noch
am ehesten zusammen und vereint sie das erste Licht nur zu einem Augenblick
der Stille, klingt vielleicht beim zweiten bereits ein gemeinsames Lied
auf. Beim dritten kommt es vielleicht zu einem guten Gespräch, von dem
man erst jetzt weiß, wie nötig es war. Und wenn am letzten Sonntag vor
dem Fest alle vier Kerzen brennen, kann Weihnachten werden, weil wir
einander näher gekommen sind.
chon der Beginn des Christmonats
bringt den Sankt-Barbara-Tag, der früher von den Bergleuten festlich
begangen wurde. Die Barbarafeiern haben sich bis in unsere Zeit erhalten.
Wohl überall aber, wo es wilde Kirschbäume gibt, werden an diesem Tag
die Barbarazweige geschnitten. Zieren zur Weihnacht Eisblumen die Fensterscheiben,
werden die Kirschzweige im Tonkrug voll zarter, weißer Frühlingsblüten
sein - manch jungem Herzen zu hoffnungsfrohem Orakel, jedem aber zur
Freude, in der Zuversicht und dem Wissen, daß in den winterstarren Zweigen
ein neuer Frühling schläft.
inen Tag später treiben Krampus,
Bartl und Klaubauf ihr Unwesen, aber auch der sanfte, gütige Kinderfreund
Sankt Nikolaus ist unterwegs, der die Kleinen belehrt und mahnt und
sie mit Äpfeln, Nüssen und Lebkuchen beschenkt. Viele Legenden ranken
sich um die Gestalt dieses heiligen Bischofs, die ihn zum Schutzheiligen
der Schiffer, Flößer und Holzarbeiter werden ließen. In einigen obersteirischen
Orten werden alljährlich am Abend des 5. Dezember alte Nikolausspiele
aufgeführt, die deutlich machen wollen, daß der Mensch von bösen
Mächten bedrängt, von guten, hilfreichen beschützt ist. In der Gegend
um Mariazell und St. Lambrecht wird der Heilige noch auf besondere Art
geehrt: Die Kinder basteln in den Tagen vor seinem Fest bunte Papierschifflein,
verzieren sie mit einem gabenheischenden Spruch und bringen sie dann
in der Dunkelheit des Nikolo-Abends heimlich in das Haus der Paten oder
sonstiger gebefreudiger Verwandtschaft. Es läßt sich denken, daß dieser
Gang just an dem Abend, wo die Gehörnten mit Rute, Kette und "Buttn"
unterwegs sind, mit Gruseln und Herzklopfen verbunden ist. Aber welche
Freude, wenn das Schiff im vorgesehenen Hafen eingefahren ist, ohne
daß das Landungsmanöver bemerkt wurde! Am nächsten Morgen, wenn all
der nächtliche Spuk vorbei ist, darf man vor die Gönner treten: "Bitt
schön um mein Schifferl!" Und beladen mit süßer Fracht kehrt das
Schiff zu seinem Eigentümer zurück.
m Adventkalender ist nun schon
eine ganze Fensterreihe geöffnet, der "Adventfrauentag" (8.Dez.)
vorbei; unsere liebe Frau geht auf Herbergsuche, ein Brauch, der in
letzter Zeit eine erfreuliche Neubelebung erfahren hat. Ein Muttergottesbild
wird allabendlich in ein anderes Haus getragen und die alten Lieder
und Gebete wollen mahnen und bitten, Haus und Herz nicht vor der Not
zu verschließen.
m Bauernhaus wird in diesen
Tagen das würzige Kletzenbrot gebacken, dem in früherer Zeit segensreiche
Wirkung zugeschrieben wurde. Kommt man in den Tagen um Weihnachten in
ein Ennstaler Bauernhaus, wird man mit Kletzenbrot und einem Stamperl
Selbstgebrannten bewirtet - und die Hausfrau gibt dem Gast noch einen
"Schwartling", den knusprigen Anschnitt des Kletzenbrotlaibs,
mit auf den Weg. Früher waren diese Schwartling den jungen Mädchen eine
Liebesgabe für Burschen, denen sie gewogen waren. Umgekehrt ließen sich
auch die Mädchen gern mit Kletzenbrot beschenken; gelang es ihnen, neunerlei
Arten davon zusammenzubringen, durften sie hoffen, im folgenden Jahr
zum Traualtar geführt zu werden.
ine Woche vor dem Fest beginnt
das "Christkindl einläuten" - jeden Abend tragen die Glocken
die Botschaft von der nahen Ankunft durch die Winternacht.
m 24. Dezember wird noch auf
manchem Bauernhof ein mit Bändern geschmückter Fichtenwipfel auf einer
Stange im Freien aufgestellt. Daran soll das Vieh sich "reiben",
um gesund und fruchtbar zu bleiben.
rippe und Weihnachtsbaum bilden
den Höhepunkt im Weihnachtsfestkreis. Im bäuerlichen Haushalt nimmt
der Hausvater am Heiligen Abend die Glutpfann", eine eiserne Stielpfanne,
die mit Glut aus dem Herde gefüllt und mit Wacholderzweigen und anderen,
wohlriechenden Kräutern bestreut wird. Damit geht er betend und räuchernd
durch alle Räume in Haus und Stall. Ein Familienmitglied begleitet ihn
weihwassersprengend; alles Böse soll vom Hofe weichen und der Schutz
und Segen des Himmels Familie, Vieh und Wohnstatt bewahren. Dieses "Räuchern"
wird am Vorabend des Neujahrstages und am Abend vor dem Dreikönigstag
wiederholt. Es sind die Rauchnächte oder Rauhnächte, in denen nach altem
Glauben die unerlösten Seelen als wilde Jagd durch die Lüfte brausen,
von bösen Dämonen gehetzt. Ausruhen dürfen sie nur auf Baumstrünken,
in die der Holzknecht mit der Axt drei Kreuze geschlagen hat. Auch die
Seelen der ungetauften Kinder ziehen in traurigem Zug unter Führung
der "Perchtl" durch diese Nächte.
eim mitternächtlichen Gang zur Christmette sieht man zwar
nicht mehr die Lichterkette der Pechfackeln, die den Mettenbesuchern
die verschneiten Wege von den Höhen ins Tal erhellt haben; wir haben
es heute leichter und bequemer. Aber immer noch erzählen Glockengeläute
und die alten Weihnachtsweisen der Turmbläser vom großen Geschehen der
stillen, heiligen Nacht.