ergnot - Kapitel 7
"Nix vergessen?" fragt der Kramer den Engl und leckt an seinem Bleistift. "Schuhwichs, Zündhölzl, Pfeifentabak - ".
"Han alles." Der Engl tut das Mehl und Schmalz in den Rucksack, einen Laib braunes Brot und ein Trumm Wurst. Dann legt er ein paar Münzen auf den Tisch und mit einem "Pfiati" geht er davon. Das Türglöckel bimmelt schrill hinter ihm drein. Er schaut nicht links, nicht rechts - mit langen Schritten strebt er aus dem Dorf, schlägt den Feldweg ein, über die Hochhuberleiten hinauf.
m Waldrand bleibt er stehen - kneift ein Auge zu und schaut lang hinein in das Geklüft und Geschrofe der Hochtorgruppe. Wohl eine Viertelstunde lang. Dann ruckt er den Hut in den Nacken und stapft durch den Wald bergan - den gleichen Pfad, den er erst vor einer Stunde mit den anderen hinabstieg. Erst oben, wo der Weg auf die Hochalm abzweigt, bleibt er stehen. Schaut eine Weile hinüber zu den Sennhütten, spuckt kräftig aus und geht weiter.
chmal und steil ist das Steigl, von dicken, knorrigen Baumwurzeln überwachsen. Dunkel und kühl ist der Wald; nur selten fingert ein Sonnenstrahl wie Goldflitter durch die dunklen Fichtenzweige. Dann und wann klatscht ein Zapfen herab, Eichhörnchen turnen durchs Astwerk. Irgendwo schnarrt ein Häher. Und die Spottdrossel lacht.
wei Stunden lang geht es bergan - dann ist der Wald zu Ende, er ist wieder beim Holzschlag am Gamsstein. eine goldene Lichtflut überschüttet ihn, die geschälten Stämme leuchten in der Sonne. Es riecht nach Wald und Harz, nach Honig und Erdbeeren. Der Engl stößt den Riegel zurück und tritt in die dämmerige Hütte. Die winzigen, halbblinden Fenster lassen wenig Licht herein. Er tappt zu seiner Truhe und verstaut die Vorräte für die kommende Woche. Zieht dann den Knicker hervor, wischt ihn gewohnheitsmäßig an der schäbigen Ledernen ab und schneidet von Brot und Wurst ein tüchtiges Stück ab. Hängt den Rucksack wieder um und stapft hinaus, wieder bergwärts, mit gleich zähen, weitausholenden Schritten wie zuvor, ohne eine Spur von Müdigkeit.
r überquert rieselnde Geröllhalden, steile, mit Bürstling bewachsene Hänge. Oft versperren ihm knorrige Zirbelkiefern den Weg. Da und dort lacht noch eine verspätete Almrose aus dem dunklen Grün.
in Sommertag ist lang - aber nun leuchtet die Sonne verscheidend über die Gipfel und Kare. Im Tal, ganz tief unten, kriechen schon die blauen Dämmerschatten. Das Hochtor ist zum Greifen nahe, rot glühend im Abendschein. Bewegen sich nicht die Grate und Türme, winken sie nicht freundlich herunter auf das kleine Menschlein, das da unten im Latschengewirr steht, in ihrem Anblick versunken?
ählich verblaßt der glutrote Schein, strahlt noch einmal auf, daß das ganze Felsgewirr wie ein riesiges funkelndes Schmuckstück aussieht - gar nicht böse, gar nicht gefährlich - neigt es sich nicht ein wenig vor, rufend, lockend: komm - komm!
er Engl steht und schaut. Langsam hüllt sich der steinerne Ring in ein zartes Lila, wird violett und schließlich tief blauschwarz. Und ist wieder starr und unnahbar und abweisend, wie ein stolzes, vielumworbenes Weib.
s ist Nacht geworden, die ersten Sterne flimmern über den Höhen. Ein kühler Wind streicht über die Halde. Der Engl zieht seine Joppe enger zusammen und streckt sich lang ins Latschengestrüpp. Und sieht, schon im Traum, das Hochtor im goldroten Licht, wie es sich ihm lokend entgegen neigt: Komm...!
ie die Felsen in der Morgensonne golden aufbrennen, hängt der Engl schon oben in dem turmsteilen Gewänd. Seine Finger prüfen das Gestein, Griff um Griff sich höher ziehend. Oft sind es nur die äußersten Spitzen seiner Schuhe, die an kleinsten Vorsprüngen, kaum merklichen Rissen geringen Halt finden. Aber sicher und unbeirrt, jeden Griff, jede Bewegung überlegend, schraubt sich der Kletterer höher. Den Blick aufwärts gewandt, wo so nahe, so unglaublich nahe der Gipfel winkt. Nackt und kahl ist das Gestein, kein Grasbüschel, auch nicht die kleinste, verkrüppelte Zirbelkiefer. Ein schräges Band, schmal, aber doch so breit, daß die Füße festen Boden unter sich spüren, zieht sich quer durch die Wand. Weitet sich dann zu einer Nische, groß genug, daß einer dort sitzen kann. Und ein Loch ist in der Wand, aus dem ein kalter Hauch zieht. Der Engl steht vor der kleinen Höhle, firniger Schnee liegt drinnen. Darauf groß und dunkel sein Schatten - umrahmt von einem regenbogenfarbenen Strahlenkranz. Das flirrt und flimmert, als sei eine Unzahl winziger, strahlender Edelsteine in den geöffneten Rachen des Berges gestreut!
in paar Schritte weiter oben verliert sich das Band. Nackt und glatt ist der Fels, als wären riesige Steinplatten genau aufeinander gefügt. Die Sicht nach oben ist verhängt - ein wuchtiger überhang sperrt den letzten Weg zum Ziel ab - hart und abweisend.
ier kommst du nicht hinauf!
er Engl steht auf dem schmalen Einschnitt, wo grad die Schuhe Platz haben, steckt die Hände in die Hosentaschen und blinzelt auf den überhang.
ratzt sich hinterm Ohr, streicht die braunen Haarschippel aus der Stirn und pfeift durch die Zähne. Wendet dann langsam den Kopf und schaut hinunter. Knapp vor seinen Zehen geht es senkrecht hinab, spiegelglatt und dreimal kirchturmtief!
eit unten die Schrofen und Buckel, ein Felsgewirr, das wie ein Schock verhutzelter Zwerge aussieht - bewegen sie sich nicht? Heben sie nicht beschwörend die Arme: komm herunter - komm schnell.
chweben nicht die saligen Fräulein in weißen Schleiergewändern unter ihm durch die Wand? Hebt sich nicht ein weißes, feines Gesicht zu ihm herauf, mit goldrotem Haar und roten, brennenden Lippen - aber die saligen Frauen sind wie Glas und Schleier. Sie haben keine roten Lippen und wohl auch keine trotzigen, bettelnden, verheißenden und verachtenden Augen.
a dreht sich der einsame Bergsteiger wieder nach oben und lacht den trutzigen wilden Brocken an, der da mitten aus der glatten Wand wächst und droht: Bis hierher und nicht weiter!
ber der, der da auf der winzigen schmalen Stufe steht, auf der grad zur Not ein paar Bergschuhe stehen können, hoch über unendlichem Abgrund, wenige Meter unter dem Gipfel, der lacht nur. Er steht so fest und sicher, als sei er auf dem Sonnlechner seinem Anger.
ber daran denkt er jetzt gar nicht - auch die Gesichter der Saligen scheucht er fort - man weiß ja nicht, ob sie nicht am End doch rotblonde Haare und brennende Lippen haben - und dann könnt' man doch schwindlig werden.
in scharfer Wind streicht durch die Wand, ein Stein springt polternd herunter, schlägt hart neben dem Engl auf und saust pfeifend ins Leere. Kein Aufschlag ist zu hören.
er Engl lacht die drohende Felsnase an und sagt: ich krieg dich schon. Hebt die Hände, läßt sie tastend über den Fels gleiten. Die Finger bluten - aber sie finden, was sie suchen; krallen sich fest, prüfen, sichern. Der Körper windet sich höher, eng ans Gestein gepreßt. Die Fußspitzen tasten, suchen - rutschen ab und finden endlich Halt. Er ist dicht unter dem schwierigen Hindernis.
ber sein scharfes Auge hat längst die eine, die einzige, winzige Möglichkeit erspäht; da ober ihm ist ein knollenartiger Vorsprung, als hätte der vorgeneigte Felskopf eine dicke, runde Nase. Noch enger preßt er seinen Leib in die Wand, als wolle er verwachsen mit ihr; als wolle er dem kalten, toten Stein seinen heißen, trutzigen Willen aufzwingen. Wieder heben sich die Arme, noch länger, noch schlanker wird der Körper. Die Hände tasten nach dem knolligen Vorsprung, umschließen ihn, drücken, ziehen mit aller Kraft - der Stein hält. Aber in den Füßen fehlt das feine Gefühl, die derben Schuhe sind hinderlich.
lso zurück auf das schmale Band, zurück zur Nische vor dem Schneeloch. Die Schuhe von den Füßen und von vorn beginnen. Die Zehen krallen sich ein wie Finger, die Hände umkrampfen wieder den rissigen, kantigen Vorsprung. Dann schwebt der Körper frei über dem Nichts.
enn nun der Stein nachgibt? Wenn er sich unter dem Gewicht des Menschen löst? Wenn nun der Berg sein Opfer, das er erst im gleißenden, lockenden Licht freundlich in diese schwindelnde Höhe gelockt, von sich schleudert...?
Wenn...?
ber der Engl denkt an kein "wenn". Einige Augenblicke baumeln die Beine noch über dem Abgrund, ziehen sich hoch, tasten, schmiegen sich an, klammern sich fest. Die letzten Schritte zum Gipfel sind nicht mehr schwer. Hochaufatmend steht er auf einer kleinen Plattform, bloßfüßig, vom Wind zerzaust, die Joppe vom Fels abgeschabt, die Haut zerschunden. Sein blitzendes Auge umfaßt die nahen und fernen Gipfel und sein sieghafter Jauchzer klingt weit hinaus in die blaue Unendlichkeit.
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m Samstag drauf ist ein trübes, unfreundliches Wetter. Grau und finster hockt der Nebel in den Winkeln und Tälern und die naßkalte Luft macht die Kleider klamm und die Körper frösteln.
ingehüllt in den Wetterfleck, die zerbeulten Hütel tief in die Stirn gedrückt, trotten der Wastl und seine Holzknecht durch den Wald bergab. Schwer behangen mit großen, runden Wassertropfen senken sich die Fichtenäste und streifen die bärtigen Gesichter der Männer, schnellen, von der Last befreit, in die Höhe, daß ein feiner Sprühregen niederrieselt.
iesmal sagt der Michl nichts zum Engl, wie er mit einem kurzen "Pfüat enk" hinüberschwenkt zur Alm. Er schaut nicht einmal zurück und merkt drum auch gar nicht, daß der Engl bei der Wegbiegung steht und hinüberschaut gegen die Alm, wo der neblige Dunst die Hütten nur in verschwommenen Umrissen erkennen läßt. Es rumort und brodelt in ihm heut, es kribbelt in den Fingern und juckt in allen Gliedern; er weiß selber nicht, was er eigentlich möchte. Am liebsten den Michl oder sonst irgend wen beim Kragen packen und eine richtige, handfeste Rauferei anfangen. Und den Kerl hinausschmeissen vor die Hüttentür und selber unter die geblümelte Tuchent schliefen, zu der Schwoagerin!
ie's epper ausschaut, dem Michl seine? Ob's am End a Rotharete ist? - Oh himmelfixseiten!
r dreht der Alm den Rücken, blinzelt in die Höh - aber von den Bergen ist nichts zu sehen. Da fängt der Engl zu rennen an, den Hohlweg hinunter. Er holt die anderen Holzer ein, rennt ihnen für.
"Na hö, habn di d'Wabsen gstochn?" schreit ihm einer nach. "Hats der heut gnädig" brummt der Wastl und beutelt den Kopf. Der Engl rennt schon in langen Sprüngen die Leiten hinunter, dem Dorf zu. Vorbei geht er am Kramer seinem Laden; obwohl er den Blick gesenkt hat, tritt er mit wuchtigen Schritten in die Wasserpfützen, daß die braunen, schmutzigen Tropfen aufspritzen. Vorm Donnerwirtshaus verhält er jäh und plötzlich, hebt den Kopf und schaut nach den Fenstern. Aber er sieht nichts, wie die roten Pelargonien und die karierten Vorhänge. Scheint recht still zu sein da drinnen und nach einem Bier gelüstets ihm nicht, bei dem naßkalten Wetter. Er schupft die Achseln und geht das aufgeweichte, schmutzige Sträßlein weiter. Wohin?
in anderer geht halt heim, wenn so ein Sauwetter ist! Heim? Da oben bin ich daheim; sind mir Vater und Mutter und Weib.....
eib? - Was gehen mich die Weiber an? Ich weiß, daß sie mir nachschauen - was kümmerts mich? Die Weiber sind mir gleich. Die Weiber? - Nein! - Das Weib - ja - goldrote Haare, lockende Augen, ein brennender Mund - und eine weiße, kühle Haut, die das Blut mit seiner Kühle zum Sieden bringt.
in zorniger Lacher mischt sich unter das Geräusch der Schritte - aber die Tritte klingen auf dem moosigen, durchweichten Boden wie Seufzer. So ein einsamer Weg durch den nebeldüsteren, regengrauen Graben ist nicht danach, einem, der kein Ziel und kein Daheim hat, froh und zufrieden zu machen. Statt der leuchtenden, lockenden Gipfel ist nichts als dunkle Wolkenmauern, die näher zu rücken scheinen, immer näher, immer drohender, als wollten sie alles erdrücken. Müde und traurig lassen die Blumen am Wegrand die Köpflein hängen - aus den Erlenbüschen tropft es schwer und in den alten Fichten stöhnt der Wind. Der Engl schert sich nicht um die Blumen, nicht um Nässe und Wind. Ein aufgescheuchtes Reh bricht aus dem Gestrüpp, jagt über den Weg und verschwindet wieder zwischen den Stämmen.
inen Stutzen, einen Stutzen brauch ich, es muß einer her, und wenn ich mir einen stehlen muß. Er weiß jetzt genau, was er will: einen Stutzen! Und er weiß auch, wo einer zu finden wär.
er Waldsteig von Johnsbach, über die Flitzen in die Kaiserau ist wohl lang, aber nicht beschwerlich für einen, der im Hochtor daheim ist. Von der Kaiserau ists dann nur noch ein Katzensprung nach Admont. In Admont ist das Sonnlehen - das geliebte, verfluchte Sonnlehen.... und ein Stutzen und - und die Lore.
s wird schon langsam Abend, wie der Engl aus dem Hochwald kommt. Da steht er nun am Waldrand, tut einen tiefen Schnaufer und kanns nicht hindern, daß ihm das Blut ins Gesicht steigt - denn da unten, wo die steilen Felder zu Ende sind, da ist Admont - und drüben bei der Enns, auf dem Hügel, zwischen Linden, Birken und mächtigen, alten Mostbirnbäumen - das Sonnlehen!
o zwiespältig ist dem Engel mit einem Mal wieder, der wilde Rosenstrauch fällt ihm ein, die Narbe zuckt in seinem Gesicht - und er möchte jauchzen und zugleich die Fäuste ballen, beten und zugleich fluchen - und hockt doch nur da im feuchten Gras und starrt mit brennenden Augen auf das breite, rote Dach zwischen den dunkellaubigen Baumkronen.
erkt es nicht, daß es längst zu regnen aufgehört hat und ein frischer Wind die Nässe aus den Bäumen schüttelt. Die dunklen Wolkenwände sind verschwunden, nur feine, weiße Schleier schweben um die Gipfel der Hallermauern. Der Himmel hat große, blaue Flecken, ein Sonnenstrahl stiehlt sich durch die jagenden Wolkenknäuel. Springt die Leiten hinunter, vorbei an den einschichtigen Keuschen in der Kematen, huscht über die blankgewaschenen Dächer der Admonter Bürgerhäuser. Spiegelt sich übermütig in den Wellen der Enns und läßt die Fenster am Sonnlehen hell aufbrennen!
er Engl sitzt und schaut. Hört nicht die leichten Schritte am Wiesenweg, sieht das Dirndl nicht, das da ein keuschenlanges Stückel vor ihm stehen bleibt und ihn mit blitzenden Augen anschaut.
er Engl!
ur er hat diese hellen Augen, diesen schmalen Kopf mit den braunen, welligen Haar...
as Mädel streicht die himmelblaue Seidenschürze über dem bauschigen Rock zurecht, zupft ein wenig an den Fransen des geblümelten Halstüchleins und steckt die Zipfel sorgfältig in das silberverschnürte Samtmieder.
ährend sie noch mit den Händen das goldrote Haar ordnet, dreht sie sich ein wenig zur Seite, blinzelt aber doch dabei nach dem Engl hin. Aber der hockt stumm und unbeweglich wie zuvor. Wenn auch ihr Herz stürmisch klopft, wie sie nun mit kleinen, zierlichen Schritten auf ihn zugeht, so bringt sie es doch fertig, möglichst unbefangen zu sagen:
"Na, Du?"
Da schaut er auf. Ihre Blicke treffens ich. Zwei Schritte neben ihm steht sie am Weg, neigt den Kopf leicht gegen ihn und lächelt. Lächelt in sein ungläubiges, staunendes Gesicht und wartet, was er sagen wird. Er springt nicht auf, er geht ihr nicht entgegen. Er bohrt nur seinen Blick verzehrend in ihre Augen - "Lore" - stottert er mühsam.
n triumphierender Freude schaut sie auf ihn nieder. Er ist der hübscheste Bursch, den ich kenne, denkt sie. Sein Gesicht ist noch schmäler, noch bräuner und männlicher geworden.
chade, daß er nur ein Holzknecht ist, ein Niemand, ohne Haus und Heim, den der Vater mit der Peitsche vom Hof gejagt - aber er gehört mir - meinetwegen hat er die Narbe im Gesicht. Aber sie macht ihn nicht häßlich - und ich spüre, daß er mir gehört - wie er mir gehört! Und wenn er auch nicht zum Heiraten taugt - zum Lieben soll er mir gehören und keiner sonst!
ber das sind nur Gedanken, die wie Blitze durch ihr Hirn schießen.
er Engl sieht nur ihr liebes Lächeln und meint, sie habe einen Heiligenschein. Wie ihr Haar in der Abendsonne flimmert, sieht es auch wirklich beinah so aus.
m Sitzen streckt er die Hände nach ihr aus, will sie zu sich niederziehen.
"Aber Engl..." schmollt sie, "ich kann mich doch nicht ins nasse Gras setzen..." Er schaut verlegen auf ihr seidenes Gewand - nein, das geht freilich nicht. Und die Lederhosen ist voll Pech.
ie Lore denkt auch, nein, das geht nicht, aber sie schaut dabei nicht auf die pechige Lederhose vom Engl, sondern schnell ein wenig den Weg hinunter, es könnt ja schließlich wer daherkommen... "Und ich hab wirklich nicht Zeit, muß ja noch in die Niederalm hinein, zu der Vroni, mit der Medizin für die kranke Kuh..." Sie deutet auf das Körbl, das sie am Arm hängen hat. Sie schickt sich an, weiter zu gehen. Der Engl geht neben ihr her, wieder hinein in den Wald, den lehmigen Weg bergauf, der auf die Niederalm führt.
ie oft hat ihm schon geträumt, er gehe allein mit der Lore durch den Wald - aber im Traum war das anders. Er hat ihr so viel zu sagen gewußt - und jetzt, wo sie leibhaftig neben ihm ist, fällt ihm nichts ein. So tut er, als müßt' er auf den Weg achten, schaut mit zusammengepreßten Lippen auf den Boden und ist ihr einen halben Schritt voraus.
ie wüßte schon was zum Reden - aber sie tut jetzt auch verlegen und schweigt. Aber bevor sie hinaufkommen zur Bergwiesen, wo dem Raintaler sein Heustadel steht, rutscht sie plötzlich aus. Und wenn sie auch den Engl noch rechtzeitig an der Hand erwischt, daß sie nicht hinfällt, sie jammert doch: "auweh, mein Fuß, jetzt hab ich mir den Knöchel überstoßen..." und hält sich am Engl seiner Hand fest.
s wird schon schummerig zwischen den Bäumen, man hört nichts, als den Wind in den Wipfeln und hin und wieder ein Vogelzwitschern. Die Lore hinkt beim Gehen und wie sie oben sind beim Heustadel, meint sie: "Ich muß ein bißl rasten und nachschaun, was los ist mit meinem Fuß..."
or der Bretterwand des Stadels ist eine morsche, wackelige Bank. Die Lore stellt ihr Körbl weg, streift den Schuh und den Strumpf ab und zieht den Fuß herauf, um ihn eingehend zu betrachten. Ihr Rock rutscht über das Knie und die weiße Haut leuchtet in der Dämmerung. Der Engl beugt sich nieder und spürt, wie sein Gesicht rot und brennend wird.
"Wo hast dir denn weh tan?" fragt er unsicher und tastet mit den Fingern zaghaft über ihr schmales Gelenk. Sie kauert auf der Bank, läßt den Fuß hinunterhängen, schaut auf den blassen Himmel, wo einzelne Sterne flimmern und seufzt bekümmert: "Ach Gott, wie soll ich denn heut nur auf die Niederalm kommen mit dem dummen Fuß? Es wird ja schon finster."
er Engl beugt sich noch näher über den nackten Fuß. Da faßt die Lore unvermittelt mit der einen Hand unter sein Kinn und richtet seinen Kopf zu sich herauf. Schaut ihn lang an und fährt mit dem Finger spielerisch über sein Gesicht, genau über die Narbe. "Wie hübsch du bist..." flüstert sie nah über seinem Mund, "kann mir wohl denken, daß dir die Madeln schockweis nachrennen..." Da kniet er vor ihr, wühlt sein Gesicht in die kühlen Falten ihres Rockes und keucht: "...mag aber keine..." Er umschlingt mit beiden Armen ihre schmalen Hüften und wild und leidenschaftlich bricht es aus ihm: "...nur dich, Lore - nur dich"
as morsche Bänklein an der Bretterwand ist leer. Nur ein Körbl steht drauf. Eine Medizin ist drinnen für die kranke Kuh auf der Niederalm. Im Stadel duftet das Bergheu. Durch das schon ein wenig löcherige Schindeldach schauen die Sterne.
ach Mitternacht steigt der Mond herauf, blinzelt neugierig nach dem Körbl auf der alten Bank und durch die Ritzen der Holzwand. Eilig zieht er seine Wolkenhaube über, erschrocken über so viel wilde, heiße Leidenschaft.....
Fortsetzung Kapitel 8!