weites Geheimnis:
en du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast
"Maria machte sich auf und eilte in eine Stadt in den Bergen Judäas" (Lk 1,39)
b wir große Freude erleben oder tiefstes Leid erfahren - immer drängt es uns, einen vertrauten Menschen zur Seite zu haben. Gerne begleiten wir Maria auf ihrem Gang über das Gebirge, und es mag schon zutreffen, was uns Legenden und Lieder über diese Wanderschaft berichten, wenn auch in der Heilsbotschaft nichts davon erwähnt wird.
ie mag es der Jungfräulichen ums Herz gewesen sein bei diesem Gang? Sicher war sie ganz dem Wunder unter ihrem Herzen zugewendet, frei vom Einerlei des Alltags, und sie mag wohl alles vergessen haben, was an dunklen Ahnungen und Ängsten ihr menschliches Herz bedrängt hatte. Wissen wir nicht aus eigener Erfahrung, daß so ein stilles Wandern durch die Natur uns frei macht von allem Nebensächlichen, haben wir nicht schon selbst Ruhe und Kraft gefunden für das Wesentliche, wenn wir uns aus der Hast und Unruhe unseres Alltags aufmachten in die Berge?
ber nicht nur ihr eigenes großes Geheimnis trieb sie zur Eile, ihr Herz lief wohl schon voraus ihrer Base Elisabeth entgegen, von deren nicht mehr für möglich gehaltenen, späten Mutterschaft sie wußte. Freude und Liebe mögen ihre Schritte beflügelt haben und der Wunsch zu helfen, der alten Verwandten beizustehen.
nd nun wird in dieser Begegnung zweier Mütter zum erstenmal das Göttliche sichtbar. Elisabeth hatte keine Kunde erhalten, wie es um ihre junge Nichte stand, und doch war sie es, die als allererste unter den Menschen Zeugnis ablegte für den noch ungeborenen Erlöser: "Woher geschieht mir dies, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt?" (Lk 1,34)
n der jubelnden Antwort Mariens ahnen wir zum erstenmal die Himmelskönigin: "Hoch preist meine Seele den Herrn... von nun an preisen mich selig alle Geschlechter" (Lk 1,46-48).
ür die Menschen ihrer Umgebung war es etwas ganz Natürliches, Alltägliches: ein Verwandtenbesuch, die Begegnung zweier Mütter. Ein Besuch, eine Begegnung, wie sie auch heute noch üblich ist, wie sie auch uns geschehen kann. Freilich, wir finden immer seltener Zeit füreinander - und bringen damit uns selbst und andere um eine wesentliche Bereicherung des Lebens: Um Liebe und Freude, die wir geben und empfangen könnten.
ohl jeder von uns weiß um einen Menschen in unserer Umgebung, der mit Schwierigkeiten zu kämpfen, der Schweres zu tragen hat. Aber wie oft sagen wir uns, was könnte ich auch dabei tun? Ich kann ja doch nicht helfen - und schließlich, es hat doch jeder seinen Teil zu tragen... Wir sind zu müde, vielleicht in eigene Sorgen eingesponnen, vielleicht auch zu scheu, eine Begegnung zu suchen, einen Anfang zu machen.
nd vielleicht wartet doch gerade dieser Mensch auf meine Hilfe? Hilfe, die vielleicht nur darin besteht, daß ich ein wenig Zeit habe, auf ein gutes Gespräch oder nur auf das stille Zuhören. Wissen wir, wieviel Unheil verhütet werden könnte, wenn wir füreinander mehr Zeit hätten?
er freudenreiche Rosenkranz ist das Gebet der Mütter, das Gebet für die Mütter. Wie viele Frauen tragen schwer an der Last unter ihrem Herzen, gehen einen einsamen Weg, sind allen Ängsten und Unsicherheiten ausgeliefert - und finden schließlich keinen anderen Ausweg als den der Abtreibung, der keine Lösung ist, der eine Wunde an der Seele hinterläßt, die nie heilt... Sind wir nicht mitschuldig daran, mitschuldig durch Gleichmütigkeit, unbedachte Rede oder Schlimmeres?
aria, Mutter Gottes, laß sie nicht allein, die Mütter, die sich nach Verständnis und Aussprache des Herzens sehnen. Öffne unsere Augen und unsere Herzen, laß uns das rechte Wort finden, damit allen, die in Sorge und Angst ein Kind tragen, die Freude an der Mutterschaft aufblühen kann, so wie du erfüllt warst von Freude über dein Kind, unseren Herrn Jesus Christus, den du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast.