weites Geheimnis:

er in den Himmel aufgefahren ist

"Und während er sie segnete, trennte er sich von ihnen und wurde zum Himmel emporgehoben" (Lk 24,51)

enn wir von den alten Vorstellungen unserer Kindheit über die Himmelfahrt Christi abgehen - und das müssen wir alle irgendwann - dann geraten wir leicht in Verwirrung bei der Betrachtung dieses Rosenkranzgeheimnisses. Es wird in der Heiligen Schrift nur mit einem knappen Satz davon berichtet und wir begreifen nur, daß "er sich von ihnen trennte", daß sie ihn nicht mehr sehen, nicht mehr direkt mit ihm sprechen konnten. Und es verwirrt uns vielleicht, wenn wir weiter lesen: "Sie kehrten in großer Freude nach Jerusalem zurück" (Lk 24,53). Waren die Jünger nicht Menschen wie wir? Und doch: Angst und Erschrecken bei seinem Wiedererscheinen, am dritten Tage nach seinem Tode - große Freude nun, da er sie verläßt? Würden wir uns nicht freuen, wenn ein geliebter, verlorengeglaubter Mensch wieder zu uns zurückkehrt - und sehr traurig sein, wenn er uns nach kurzer Zeit wieder verläßt? Was muß vorgegangen sein in den Herzen der Freunde Jesu, in den vierzig Tagen, da er zu ihnen kam durch verschlossene Türen, an das Ufer des Sees, mit ihnen das Brot brach, zu ihnen redete von seinem Zum-Vater-Gehen, von der kleinen Weile, daß es gut für sie sei, wenn er gehe, daß er den Tröster senden werde und: "...ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung der Welt" (Mt 28,20).

ie menschliche Vertrautheit der früheren Zeit war vorüber, sie fühlten, er war herausgetreten aus den Gesetzen des irdischen Daseins. Eine ganz neue Gemeinschaft mit ihm erfüllte sie, von der sie wußten, daß sie unverlierbar war. Und daß sein Heimgehen zum Vater die große Erfüllung war, die er allen Menschen zugedacht hat.

esus wurde "emporgehoben" - wir blicken zum Himmel und die fortschreitende Erforschung des Weltraums macht es uns schwer, zu glauben, daß unser künftiges Leben "oben" sein soll. Es gibt nüchterne Berichte, und für die meisten von uns ist dieses "oben" kein wünschenswerter Aufenthalt. Auch Jesus "erhob seine Augen zum Himmel", wenn er zum Vater betete; was und wo ist nun dieser Himmel wirklich?

er Herr hat oft davon gesprochen und ihn mit einem Hochzeitsfest verglichen. Und dieser Vergleich war für seine Zuhörer wohl der Inbegriff aller Freude. Hochzeit, das ist doch Freude, Glück, Liebe...

iebe vor allem! Wünschen wir uns nicht alle, geliebt zu werden und selber zu lieben, in der Sicherheit, daß diese Liebe wirklich nie endet? Himmel, das ist ewige Geborgenheit in der Liebe des Vaters, ewiges Glücklichsein in der Liebe zueinander, ungetrübt durch irdische Kümmernisse und menschliche Unzulänglichkeit.

ielleicht haben wir schon den tiefen Frieden, die Stille und Erhabenheit der Bergwelt empfunden, wenn wir auf einem hohen Gipfel standen; und so mag uns das "oben" Symbol sein, ein Ahnen der kommenden Herrlichkeit. Wir müssen uns nicht sorgen, daß wir irgendwo im luftleeren Raum herumgeistern müssen, auch nicht darum, wo wohl alle die Menschen, die seit dem Anfang über unsere Erde gingen, Platz finden sollten - der Unendliche wohnt im Unendlichen und hat Platz für uns alle. Und wenn Gott schon diese unsere vergängliche Welt so schön geschmückt hat, die wir doch nur "für eine kleine Weile" bewohnen, was an Schönheit und Freude wird uns erwarten, dort, wo wir bei ihm eine unvergängliche Heimstatt haben werden?

ir alle fürchten uns vor dem Ende unserer irdischen Zeit; das ist natürlich, denn unser Leib ist erdgebunden. Aber möchten wir wirklich dieses Leben, das auch in seinen schönsten Stunden überschattet ist vom Wissen um die Vergänglichkeit und Veränderlichkeit, ziellos fortsetzen? Viele unserer Lieben sind uns schon vorausgegangen - und wir waren ergriffen vom Ausdruck des Friedens im Antlitz der Verstorbenen. Und eine Ahnung mag uns gekommen sein, daß das Leben oft schwerer sein kann als das Sterben. Auch hier sagt Jesus uns die tröstenden Worte, die er so oft zu seinen Jüngern gesprochen hat: "Fürchtet euch nicht!"

m Zweiten Geheimnis des glorreichen Rosenkranzes bitten wir die Mutter unseres Herrn:

eilige Maria, Muttergottes, erbitte uns die frohe Zuversicht, daß unser Scheiden von dieser Erde kein Ende, sondern ein Anfang ist und daß wir mit dir und allen unseren Lieben glücklich werden bei deinem Sohn, unserem Herrn Jesus Christus, der in den Himmel aufgefahren ist.