räambel (Vorwort des Webmasters zum Rosenkranzbücherl)

artha Wölger war tief religiös und durch die Nähe zum Wallfahrtsort Mariazell auch besonders zur Marienverehrung hingezogen. Sie war nie eine mechanische Kirchgängerin, doch hat sie stets versucht, die Aussage und den Sinn des Glaubens tief im Herzen zu verstehen und zu verankern. Wenn das Leben auch für religiöse Menschen nicht leichter ist, aber es wird doch leichter, Schicksalsschläge aus dieser Grundstimmung heraus zu bewältigen, ohne daran zu zerbrechen, hart zu werden oder zu verzweifeln. So hat sie stets auch versucht, eine Antwort auf die brennende Frage "warum?" zu finden.

an mag nun zur Marienverehrung allgemein und zum Rosenkranz im speziellen verschiedener Ansicht sein. Auch ich bete den Rosenkranz heute kaum noch. Aber für mich ist es erfahrbare Wirklichkeit geworden, dass gerade in großer, seelischer Not der Rosenkranz eine ungemein beruhigende Wirkung ausübt. Wenn es mir auch nie gelungen ist, einen ganzen Rosenkranz lang voll konzentriert bei der Sache zu bleiben, ohne gedanklich abzuschweifen, so ist darin meiner Ansicht nach gerade die beruhigende und meditative Wirkung begründet. In einer Zeit, die von Glaubensabfall geprägt ist und von einer Öffnung für fernöstliche Glaubensvorstellungen, Handlungs- und Denkweisen, da möchte ich schon auch einmal betonen, dass unser traditioneller Rosenkranz ebenfalls eine Meditation darstellt, die durch die zehnmalige Wiederholung desselben "Mantras" Wirkungen erzielt, die über das verstandesmäßige weit hinausgehen. Wir können so fraktal die gesamte, Heilige Schrift betrachten, in uns aufnehmen und festigen.

ch hab es als Kind nie verstehen können, warum der Rosenkranz immer derart "heruntergeleiert" wurde. Wenn ich verstohlen in die Gesichter der Betenden blickte, so waren jene offensichtlich zumeist geistig weit weg von dem, was ihre Lippen sagten. Gerade das, was dem Rosenkranz so sehr zum Nachteil gereichte, ist aber in östlichen Mantras und Meditationen selbstverständlich, es geht ja überhaupt nicht um das geistige Erfassen von Sinn und Inhalt eines Mantras. Es entfaltet seine Wirkung auch so, vielleicht müsste man besser sagen: gerade deshalb.

n unserer alten Kirche in Hall wurde auf die Geschlechtertrennung damals noch großer Wert gelegt: links die Frauen, rechts die Männer. Jeweils vor der Sonntagsmesse wurde der Rosenkranz gebetet, die alten Betschwestern begannen in ihrem hohen alt: "Gegrüßet seist du Maria voll der Gnaden". Dann fiel die ganze linke Kirchenhälfte eine Terz darunter in den Chor ein: "Der Herr ist mit Dir Du bist gebenedeit unter den Weibern....". Wenn dann die Männerseite mit ihrer tiefen Chorstimme dran war: "Heilige Maria Mutter Gottes..." - dann klang das Gesamtwerk in der hohen, alten Kirche fast wie ein gregorianischer Choral. Heute versteh ich es.

as vorliegende Bücherl, das hier im Internet wiedergegeben wird, soll nun die Meilensteine im Leben Jesu beleuchten und - was für Martha Wölger immer wichtig war - den Bezug zu unserer Zeit, zu dir und mir herstellen. Es ist die Frage: "was wäre, wenn..." die hier beleuchtet wird und wie würde ich dazu stehen. Und jeder kommt im Laufe seines Lebens in ähnliche Situationen!

ch wünsche dir für die folgende Lektüre also Ruhe, Frieden und fruchtbare Erkenntnisse,

Christian Wölger