weites Geheimnis:
er für uns gegeißelt worden ist
"Darauf ließ Pilatus Jesus geißeln" (Joh 19,1)
ichts ist so erniedrigend, als geschlagen zu werden. Wir wissen von Menschen, die an Schlägen körperlich und seelisch zerbrochen sind (und von vielen wissen wir es nicht). Mancher wurde vom Geschlagenen zum Schläger, wendete sich der Gewalt zu, um weiterzugeben, was er empfangen hatte. In jedem Falle aber sind unheilbare Wunden geblieben.
acht zu haben ist gefährlich. Sie verleitet dazu, den Kleineren, Schwächeren fühlen zu lassen, daß man um einige Zentimeter größer, um einige Sprossen höher oben ist. Und keiner ist so klein und so schwach, daß er nicht einen noch Kleineren, Schwächeren fände. Das Resultat begegnet uns täglich, stündlich: In der großen Welt Terror, Gewalt, Verfolgung. Daneben in unserer kleinen, überschaubaren Welt häusliche Tragödien. Und immer wieder einmal hören wir (und wie oft hören, ja ahnen wir nicht), daß es um Kinder geht, geschlagene, mißhandelte Kinder.
issen wir eine Antwort auf die empörte oder verbitterte Frage: Warum läßt Gott das zu? Wir Menschen, vor allem die, die sich sonst nicht sehr viel um Gott kümmern, sind rasch bereit, Gott anzuklagen um das Leid in der Welt. Und vergessen, daß den größten Teil davon der Mensch dem Menschen zufügt. Der Rest bleibt Geheimnis.
"Darauf ließ Pilatus Jesus geißeln." Die göttliche Allmacht unterwirft sich der menschlichen Ohnmacht. Auch der mächtige Pilatus war ohnmächtig, als er Jesus gegen seinen Willen, gegen besseres Wissen verurteilte. Ist es nicht unfaßbar, daß ER, der den Vater um zwölf Legionen Engel zu seinem Schutze hätte bitten können, sich freiwillig dem Leiden unterwarf? Wir Menschen möchten dem Leiden ausweichen, wir fürchten den Schmerz. Auch Jesus hatte Angst davor - und dennoch. Für uns und um unseres Heiles willen...
s ist tröstlich zu wissen, daß wir in unserer Not nicht alleine sind. Jesus weiß darum, weil er selbst alle Schmerzen erduldet und alle Leiden getragen hat. Könnte uns in unseren schwersten Stunden jemand Trost und Kraft geben, der selbst nur das Glück, die Freude, die Lust erfahren hat?
err, hilf uns, daß wir einander nicht weh tun. Lehre uns, die eigenen Schmerzen zu ertragen und die Leiden unserer Mitmenschen zu lindern, und sei mit uns allen, Jesus, der für uns gegeißelt worden ist.