ünftes Geheimnis:
er für uns gekreuzigt worden ist
"Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen..." (Joh 19,18)
ir stehen unter dem Kreuz. Viele Umwege und Irrwege sind wir gegangen auf unserer Flucht vor dem Kreuz, vor dem eigenen Kreuz unseres Lebens und auch vor dem Kreuz Jesu. Dem Kreuz, das immer Forderungen stellt, unsere Ruhe stört, unser Dasein verändert, unser Leben umkrempelt. Und das wollen wir nicht.
as Kreuz ist nicht gefragt und der Tod soll nach Möglichkeit nicht zu deutlich in Erscheinung treten, wir möchten nichts mit ihm zu tun haben, nicht einmal dann, wenn einer von uns sich bereits anschickt, uns zu verlassen.
nd obwohl wir es wissen, flüchten wir lieber in eine mitleidige Lüge, weil wir uns fürchten, den Sterbenden zu erschrecken. Kann unser gutgemeintes Zureden von Genesung Trost sein, wenn der Kranke selber fühlt und weiß, daß sein irdisches Leben vorüber ist? Man scheut vor der Wahrheit zurück, findet die rechten Worte nicht. Auch mir erging es so. Bis ich eine Freundin im Krankenhaus besuchte. Sie war auf dem Wege der Besserung, durfte bereits aufstehen. Aber aus einer Ecke des großen Krankenzimmers mattes Stöhnen, röchelndes Atmen - eine Frau, dem Tode nahe. Um die anderen Kranken nicht aufzuregen, wurde das Bett hinausgeschoben. Das Krankenhaus war überbelegt, es blieb nur das Badezimmer. Ich stand noch unentschlossen, beklommen - da nahm mich meine Freundin an der Hand, leise betraten wir den unpersönlichen Raum. Welch einsamer, trostloser Abschied von der Welt, in der du gelebt und gearbeitet hast. Wo sind die Menschen, für die du gesorgt, die du geliebt hast? Sie sind fern, eingespannt in ihre Pflichten; vielleicht sind sie auf dem Weg zu dir, aber jetzt bist du allein.
ir fühlten den Wunsch in uns, der Sterbenden nahe zu sein, die fernen Angehörigen zu vertreten, ihr die letzten Liebesdienste zu erweisen. Meine Freundin wischte behutsam den Schweiß von ihrer Stirn, benetzte die gesprungenen Lippen. Sie beugte sich nieder und sagte mit leiser, beruhigender Stimme: "Du bist nicht allein - Jesus ist bei dir - er hat dich lieb. Wir wollen beten - Vater unser..." Wir wußten nicht, ob die Kranke uns hörte, aber die zuckenden Hände wurden stiller. Wir blieben bei ihr bis zum letzten Atemzug. Und ich wünschte mir, in meiner Todesstunde möge mich ein guter Mensch mit einem Gebet begleiten, denn im Sterben sind wir mit allen Menschen verschwistert. Das fühlte ich an diesem Sterbelager, beim Tod einer Frau, von der ich nicht einmal den Namen wußte.
err, wir fürchten uns vor dem Sterben. Wir leben, als gebe es den Tod nicht. Und doch gibt es keinen von uns, der dieses irdische Leben mit all seinen Nöten und Belastungen, so wie es ist, in alle Ewigkeiten weiterführen möchte. Wir alle sehnen uns nach dem Licht, dem Frieden, dem Unvergänglichen. Herr, lehre uns, den Abschied von der Welt im Lichte des Glaubens zu sehen, und sei mit allen, deren Erdenzeit zu Ende geht, Jesus, der für uns gekreuzigt worden ist.