ein, der Titel stimmt nicht - wenn
ich von allen meinen Kätzchen erzählen wollte, würde statt einer
kleinen Geschichte ein dickes Buch daraus. Man könnte fast sagen, im Anfang
war die Katze, denn Katzen gab es schon immer, daheim im Elternhaus und später
in der eigenen Familie. Erst jetzt im Alter hab ich abgewirtschaftet - ich
habe nur mehr Besuchskatzen, die sich zu jeder Tages- und Nachtzeit auf meinem
Fensterbrett breitmachen.Im Lauf der Jahre hatten wir viele eigene und sehr
verschiedene Kätzchen. Unser letzter, sehr eigenwilliger, aber dennoch vielgeliebter
Hausgenosse, der Kater Tschudl, nahm ein so trauriges Ende, daß wir beschlossen:
Nie wieder eine Katze!
r war immer in unserer Nähe. Kam
ein Familienmitglied nach Hause, lief er ihm mit freudig aufgestelltem Schwanz
entgegen, strich um die Beine und sagte zärtlich: "Mrrr - mrrau."
Das hieß: "Grüß Dich! Schön daß du wieder da bist!" Er saß mit uns
bei Tisch, ganz manierlich und bescheiden, und wartete, bis das eine oder
andere Häppchen für ihn auf die Bank gelegt wurde. Nie bediente er sich selbst.
Nur wenn wir im Eifer des Gesprächs auf ihn vergaßen, stupste er mit zartem
Pfötchen an den äußersten Rand des Tisches und sagte leise: "Mrrr ...",
mehr nicht.
r begleitete uns, wenn wir in den
Wald gingen, und war neben mir, wenn ich im Garten arbeitete. Er gehörte zur
Familie, wir hatten ihn alle sehr lieb. Nur einmal war unser Vater böse auf
ihn. Das war damals, als eine Maus im Sack mit dem Hühnerfutter Quartier beziehen
wollte. Vater nahm unseren Tschudl und setzte ihn in den Sack, genau auf die
Maus. Und unser braver Mausekater blieb genau so sitzen, wie er hingesetzt
worden war, äugte etwas indigniert zu Vater herauf und sagte: "Brr -
was soll denn das nun?" Wahrscheinlich hatte er die Maus unter seinem
Bauch gar nicht bemerkt.
anchmal machte er einen kleinen Spaziergang
zu einem verfallenen Stall in unserer Nähe. Wildheu wurde darin gelagert,
Ölkuchen und anderes Wildfutter. Natürlich gab es dort Mäuse. Ob Tschudl jemals
einer ein Leid getan hat, blieb unbekannt, jedenfalls besuchte er sie hin
und wieder. Und eines Tages warteten wir vergeblich auf ihn. Alles Rufen und
Suchen nach ihm blieb ergebnislos. Noch nie war er so lange weggeblieben.
Und da es gerade um die Zeit war, als bei uns die Tollwut umging, fürchteten
wir Schlimmes und trauerten um ihn.
ach fast zwei Wochen, an einem verregneten
Tag, kam er. Ich traute meinen Augen nicht.: Total abgemagert, mit nachschleifenden
Hinterbeinen quälte er sich mühsam näher. Ich stürzte ihm entgegen, hob ihn
ganz vorsichtig auf und sah das Unheil: Ein Durchschuß der linken Hinterkeule
und wohl auch das Rückgrat verletzt. Noch ehe ich überlegen konnte, ob und
wie ihm zu helfen wäre, schmiegte er seinen Kopf in meine Hand und starb.
either bin ich auf die Jäger böse
und will keine Katze mehr.
eil ich aber meine Leser nicht gar
zu traurig machen möchte, will ich aus meiner kätzlichen Erinnerungskiste
noch etwas Heiteres hervorkramen.
s war im Jahr 1939, eine Verdunkelungsübung
war befohlen. Das war etwas ganz Neues, noch nie Dagewesenes und für uns junge
dumme Dinger nichts als ein Heidenspaß. Zumal der junge Hans dabei mithalf.
ber plötzlich wurde unser Scherzen
und Kichern vom Wehgeschrei der Hausfrau unterbrochen. Ihr Liebling, der große,
langhaarige Kater Schnurrli, hing hoch oben am Draht der Stromleitung, der
Himmel mag wissen, wie und warum er dahin geraten war. Mit Tränen und Bitten
bestürmte sein Frauerl den langen Hans, doch etwas zu tun!
nd er tat etwas. Bei der Dachluke
wurde ein dickes Brett hinausgeschoben, genau unter den verhängnisvollen Draht.
Wir Mädchen mußten mit aller Kraft dieses Brett festhalten, auf dem sich der
tapfere Hans nun langsam vorschob. Ich hatte gewaltiges Herzklopfen und große
Angst, er könnte in die Tiefe stürzen. Nach bangen Minuten hatte er den Schnurrli
geborgen (der undankbare Kerl zerkratzte ihm noch die Hände dafür!)
o erleichtert war ich, als Hans wieder
auf dem sicheren Boden stand, daß ich gar nicht bemerkte, wie das Brett weggeräumt
wurde und die Hausfrau mit ihrem geretteten Schatz im Zwielicht des verdunkelten
Hauses verschwand.
nd der tapfere Hans nützte die Dunkelheit
und meine Erleichterung nach der ausgestandenen Angst. So bekam ich den ersten
Kuß... Ich hatte ihn ja eigentlich der Katze zu verdanken, und mehr war es
auch nicht. Aber vergessen habe ich ihn bis heute nicht.